WoW: Der neue Tiefen-Boss macht aus eurem Kopf eine WeakAura

Nach L’ura folgt der nächste Gedächtnistest: Azta’rec zeigt, wie anspruchsvoll WoW-Bosse ohne komfortable Addon-Hilfe werden können.
Fünf Schritte merken, später sechs und am Ende sogar sieben. Klingt erst einmal nicht besonders dramatisch. Wir WoW-Spieler sind ja kluge Kerlchen. Dummerweise wartet der neue Tiefenboss nicht geduldig, bis ihr eure Gedanken sortiert habt. Während ihr Gehirnjogging betreibt, fliegen weiterhin grüne Kugeln durch die Arena, ein Add will unterbrochen werden und der Boss selbst haut euch ebenfalls ordentlich auf die Mütze.
Azta’rec ist der neue saisonale Tiefen-Boss aus WoW Patch 12.1 und wartet in den Giftfalltiefen. Wie seine Vorgänger könnt ihr ihn auf den Schwierigkeitsgraden „?“ und „??“ bekämpfen. Die einfache Variante fällt noch halbwegs entspannt aus. Auf „??“ ist das Schlangenwesen hingegen ein ziemlich übler Blocker. Warum dem so ist, erklären wir euch gleich im Detail.
Besiegen könnt ihr Azta’rec grundsätzlich auch mit anderen Spielern. Für den dazugehörigen Erfolg müsst ihr jedoch alleine ran – wobei euch Valeera begleitet. Auf dem PTR war die Dame allerdings noch auf Stufe 1 unterwegs und damit ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm im Mahlstrom. Mit einer besser aufgewerteten Begleiterin dürfte der Kampf später zumindest etwas angenehmer werden.
Tanzt, ihr Puppen! Oder sterbt!
Der normale Teil des Kampfes ist schnell erklärt. Ihr weicht grünen Kugeln aus, bleibt nicht in giftigen Flächen stehen und versucht, die ziemlich heftigen Nahkampfangriffe zu überleben. Dazu ein bisschen ein Magie-Effekt sowie ein Add. Alles nichts, das wir nicht schon tausendmal gesehen hätten.
Richtig ungemütlich wird es bei 90, 60 und 30 Prozent Lebenspunkten. Dann springt Azta’rec in die Mitte und teilt die Arena in vier Kuchenstücke auf. Anschließend feuert er einen breiten grünen Strahl in drei davon. Nur ein Abschnitt bleibt sicher, weshalb ihr immer passend wechseln müsst.
In der ersten Runde zeigt euch Azta’rec noch, wo der Strahl einschlägt. Ihr müsst euch dabei allerdings genau merken, wohin ihr euch bewegt habt. Direkt danach spielt der Boss dieselbe Abfolge erneut ab – diesmal ohne sichtbare Warnung. Jetzt heißt es also: Bewegungsmuster aus dem Kopf abrufen und hoffen, dass ihr nicht irgendwo links und rechts vertauscht habt.
Beim ersten Durchgang besteht die Folge aus fünf Positionen. Später werden daraus sechs und in der letzten Phase schließlich sieben. Das alleine wäre vermutlich noch halbwegs machbar. Der Rest des Bosskampfs macht währenddessen aber keine Pause. Kugeln fliegen weiter, Flächen liegen herum und das Add möchte ebenfalls nicht ignoriert werden. Nebenbei sollt ihr natürlich noch eure Rotation fahren und möglichst nicht wie ein kopfloses Huhn durch die Arena laufen.
Einen Schuss frei - der zweite ist tödlich
In einer früheren Version konnten vor allem Tanks die Strahlen teilweise einfach einstecken. Mit ausreichend Ausrüstung überleben sogar manche Heiler und DpS-Spieler einen Treffer. Blizzard hat sich das auf dem PTR eine Weile angeschaut und anschließend den großen Hammer ausgepackt.
Wer vom Strahl erwischt wird, erhält nun einen Debuff, der den erlittenen Schaden um 500 Prozent erhöht. Betroffen ist sämtlicher Naturschaden – also nicht nur der nächste Strahl, sondern auch die grünen Kugeln und Flächen in der Arena.
Damit dürfte selbst ein Tank spätestens beim nächsten Fehler aus den Latschen kippen. Die Mechanik soll gespielt werden und lässt sich nicht mehr einfach mit Lebenspunkten, Ausrüstung oder einer dicken defensiven Fähigkeit überspringen.
Aus einem Memory wird ein echter Bosskampf
Nach einigen Versuchen auf dem PTR lässt sich sagen: Azta’rec ist auf „??“ derzeit verdammt knackig. Das liegt weniger daran, dass sieben Positionen grundsätzlich unmöglich zu merken wären. Schwierig wird es durch den ganzen Kram, der gleichzeitig passiert.
Eine etwas angenehmere Lösung wäre, wenn Blizzard während der Wiederholung zumindest die anderen Mechaniken kurz pausieren würde. Dann wäre das Ganze immer noch ein Gedächtnistest, aber eben einer, bei dem ihr euch tatsächlich auf die Abfolge konzentrieren könnt. Aktuell müsst ihr gleichzeitig merken, reagieren, unterbrechen und Schaden machen.
Bessere Ausrüstung wird im Laufe der Saison sicher helfen. Azta’recs Nahkampfangriffe werden weniger bedrohlich, das Add fällt schneller um und eine höherstufige Valeera trägt vermutlich mehr zum Kampf bei als gute Wünsche. Das eigentliche Memory-Spiel wird dadurch allerdings nicht einfacher. Wer die Reihenfolge vergisst, liegt auch mit 50 zusätzlichen Itemleveln im Dreck.
Im Vergleich dazu war Nullaeus, der saisonale Boss aus der ersten Midnight-Saison, beinahe eine Übungspuppe.

Die meisten Mechaniken sind mehr als einfach.
Blizzard gegen die Addons – die nächste Runde
Das Ganze erinnert an L’ura, Anbruch der Mitternacht. Auch dort hatte Blizzard eine Mechanik gebaut, die Spieler möglichst selbst lösen sollten. Und dort fanden findige Addon-Bastler Wege, um den Kampf zumindest ein Stück weit zu vereinfachen. Natürlich dauerte es nicht lange, bis auch hier erste Addons auftauchten, die Spielern beim Merken der Bewegungsfolge helfen sollten. Mal sehen, wie lange diese funktionieren werden.
Ganz so bequem wie früher ist das allerdings nicht mehr. Die Zeiten, in denen eine WeakAura jeden Schritt mit riesigen Pfeilen, Countdown und Trötenkonzert vorgibt, sollen nach Blizzards Willen offenbar langsam enden. Azta’rec ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Bossmechaniken aussehen können, wenn der Spieler selbst hinschauen und mitdenken muss - und die WeakAura nur in eurem Kopf abläuft.
Ob das automatisch besseres Bossdesign ist, darüber lässt sich allerdings streiten. Die einen freuen sich über eine Mechanik, die nicht nur Ausrüstung und eine sauber heruntergespielte Rotation prüft. Andere haben wenig Lust, mitten im Kampf sieben Bewegungen auswendig zu lernen, während ihnen gleichzeitig die halbe Arena um die Ohren fliegt.
Wie sieht es bei euch aus? Darf ein optionaler „??“-Boss ruhig so gemein sein, oder gehört ein Memory-Spiel für euch eher auf den Küchentisch als in eine Tiefe? Wir sind nach wie vor unschlüssig, ob uns die Richtung gefällt oder nicht. Viel wird sich daran aber erstmal wohl nicht ändern. Immerhin bekräftigt Blizzard bei jeder Gelegenheit, dass die Addons weiter eingeschränkt werden sollen.
Quelle: Buffed
