WoW Forever: Blizzard macht Rückzieher – Fans bekommen ihren Wunschserver

Erst ein klares Nein, dann die Wende: WoW Forever bekommt zum Start doch RP-PvP. Die Fans haben Blizzard umgestimmt – und sorgen nun für neue Diskussionen.
Noch vor einer Woche hatte Blizzard eine ziemlich klare Meinung zu RP-PvP-Servern in WoW Forever: Brauchen wir nicht, machen wir nicht. Zumindest vorerst. Doch offenbar hat man dabei unterschätzt, wie wichtig dieser besondere Servertyp für einen Teil der Community ist. Denn nach Tausenden Beiträgen und reichlich Kritik in den offiziellen Foren haben die Entwickler ihre Meinung geändert. Und das gerade noch rechtzeitig vor dem Release.
WoW Forever bekommt nun doch einen eigenen RP-PvP-Regelsatz. Das hat Senior Game Designer Josh „Aggrend“ Greenfield am 22. Oktober in den offiziellen Blizzard-Foren bestätigt. Damit können Spieler künftig Rollenspiel und dauerhaft aktives Open-World-PvP miteinander verbinden, ohne sich zwischen den beiden Spielweisen entscheiden zu müssen.
WoW Forever bekommt zum Start doch einen RP-PvP-Server
Der neue Regelsatz soll direkt zum Release am 5. November 2026 (deutscher Zeit) verfügbar sein. Blizzard arbeitet außerdem daran, ihn bereits für die vorzeitige Namensreservierung freizuschalten, die am 27. Oktober um 18:00 Uhr MEZ beginnt. Ganz sicher ist das allerdings noch nicht. Greenfield verspricht lediglich, dass die Entwickler mit Hochdruck daran arbeiten.
Damit stehen zum Start vier verschiedene Regelsätze zur Auswahl: Normal, PvP, Rollenspiel und RP-PvP. Hardcore soll erst zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Wobei wir bei WoW Forever eigentlich nicht mehr von klassischen Servern sprechen können. Blizzard verzichtet auf die gewohnte Serverauswahl und setzt stattdessen auf große, regionsweite Spieler-Pools, die nach den jeweiligen Regelsätzen aufgeteilt werden.
Für RP-PvP-Spieler bedeutet die Änderung, dass sie nun doch ein eigenes Zuhause bekommen. Dort gelten die besonderen Regeln für Rollenspieler, während gleichzeitig in umkämpften Gebieten jederzeit Angriffe durch die gegnerische Fraktion drohen. Gerade diese Kombination gehört für viele Fans zum ursprünglichen WoW-Gefühl. Schließlich soll der Krieg zwischen Horde und Allianz nicht nur auf Schlachtfeldern stattfinden.
Warum Blizzard eigentlich keine RP-PvP-Server wollte
Überraschend ist die Entscheidung vor allem deshalb, weil Blizzard noch am 15. Oktober ziemlich ausführlich erklärt hatte, warum man auf diesen Regelsatz verzichten wollte. In der vierten Folge des offiziellen WoW-Forever-Podcasts ging Greenfield auf die Wünsche der Rollenspieler ein und verwies dabei auf die Erfahrungen aus früheren WoW-Versionen.
Als positives Beispiel nannte er Grobbulus, einen RP-PvP-Server aus WoW Classic, der sich über Jahre eine funktionierende Community erhalten konnte. Allerdings sei dieser Server eher die Ausnahme gewesen. Andere Versuche hätten deutlich schlechter funktioniert.
Besonders das Beispiel Crusader Strike aus der Saison der Entdeckungen dürfte einigen Spielern noch in Erinnerung sein. Der Server startete ursprünglich ebenfalls als RP-PvP-Realm, entwickelte sich durch den enormen Andrang von Streamern und deren Communitys aber zunehmend zu einem gewöhnlichen PvP-Server. Nach rund drei Monaten entfernte Blizzard schließlich die Rollenspiel-Kennzeichnung.
Dazu kommt ein Problem, das bei WoW Forever durch die neue Serverarchitektur noch wichtiger wird. Die Rollenspiel-Community ist vergleichsweise klein. Würde Blizzard diese Spieler noch einmal auf zwei unterschiedliche Regelsätze verteilen, könnte das langfristig zu Problemen führen. Weniger Spieler bedeuten schließlich auch weniger mögliche Mitspieler, weniger Aktivitäten und eine kleinere Wirtschaft. Die Bedenken waren also durchaus nachvollziehbar. Trotzdem waren viele Spieler mit der Entscheidung überhaupt nicht einverstanden.
Tausende Beiträge später gibt Blizzard den Fans nach
Schon seit Wochen forderten zahlreiche Spieler in den offiziellen Foren einen eigenen RP-PvP-Regelsatz. Die Diskussion nahm dabei Ausmaße an, die man selbst in den durchaus streitfreudigen WoW-Foren nicht jeden Tag sieht.
Ein erster großer Thread brachte es auf mehr als 5.100 Beiträge, bevor die Diskussion in einem zweiten Thread fortgesetzt wurde. Dort kamen noch einmal über 2.500 Beiträge zusammen. Insgesamt wurde das Thema also mehr als 7.600 Mal diskutiert, wobei natürlich nicht hinter jedem Beitrag ein anderer Spieler steckt.
Die Fans beließen es aber nicht bei einfachen Forderungen. Sie setzten sich ausführlich mit Blizzards Argumenten auseinander und erklärten, warum ein eigener RP-PvP-Regelsatz ihrer Meinung nach sogar notwendig sei, um die Community zusammenzuhalten.
Denn ohne diese Möglichkeit würden sich die Spieler ohnehin aufteilen. Die einen würden auf einem gewöhnlichen PvP-Server landen, während andere lieber den RP-Server wählen. Die von Blizzard befürchtete Spaltung ließe sich durch den Verzicht auf RP-PvP also möglicherweise gar nicht verhindern.
Besonders wichtig war den Befürwortern außerdem, dass der neue Regelsatz direkt zum Release verfügbar sein muss. Schließlich gründen sich Gilden, schließen Spieler Freundschaften und bauen sich ihre Communitys auf. Wer erst Monate später einen passenden Server bekommt, wird kaum sämtliche Fortschritte und Kontakte zurücklassen, um noch einmal von vorne anzufangen.
Offenbar haben diese Argumente bei Blizzard Eindruck hinterlassen. Greenfield erklärte in seiner Ankündigung, man habe in den vergangenen Tagen noch einmal genau geprüft, was für die Einführung notwendig wäre, und sich schließlich dafür entschieden. Ausdrücklich bedankte er sich dabei für das Feedback der Spieler.
Auch Asmongold und seine riesige Gilde spielen eine Rolle
Neben den eigentlichen Rollenspielern dürfte die Entscheidung aber noch für eine andere Gruppe interessant sein: Spieler, die zwar gerne Open-World-PvP betreiben, dabei aber möglichst wenig mit den großen Streamer-Communitys zu tun haben wollen.
Denn durch das neue Serversystem von WoW Forever lässt sich diesen nicht mehr so einfach aus dem Weg gehen. Während man früher schlicht einen anderen PvP-Server wählen konnte, landen künftig sämtliche PvP-Spieler einer Region grundsätzlich im gleichen großen Spieler-Pool.
Das könnte vor allem angesichts der gewaltigen Gilde von Asmongold zum Problem werden. Dessen Allianz-Gildennetzwerk Olympus soll laut GameSpot in der Beta bereits mehr als 74.000 Mitglieder umfassen. Eine Größenordnung, die durchaus Auswirkungen auf das Spielerlebnis anderer Spieler haben kann.
Bereits während der Beta gab es Beschwerden über die riesige Streamer-Community, überfüllte Gebiete und störende Auswirkungen auf das gewöhnliche Spielerlebnis. Wer sich solchen Problemen entziehen wollte, hatte bislang nur die Möglichkeit, auf einen anderen Regelsatz auszuweichen und damit auf das klassische Open-World-PvP zu verzichten.
Mit RP-PvP gibt es nun eine weitere Möglichkeit. Allerdings sollte man daraus nicht automatisch einen Ausweichserver für alle machen, die keine Lust auf Asmongold und seine Anhänger haben. Immerhin gelten dort auch die besonderen Rollenspielregeln.
Ob die Streamer-Problematik tatsächlich eine Rolle bei Blizzards Entscheidung gespielt hat, ist ohnehin nicht bekannt. Offiziell begründen die Entwickler ihren Meinungswechsel ausschließlich mit der erneuten internen Prüfung und dem Feedback der Community.
Nicht alle Spieler freuen sich über den neuen Regelsatz
So erfreulich die Entscheidung für viele RP-PvP-Fans auch sein mag, ganz unproblematisch ist sie nicht. Denn ausgerechnet innerhalb der Rollenspiel-Community gibt es inzwischen Stimmen, die Blizzards ursprüngliche Bedenken teilen.
In den entsprechenden Reddit-Diskussionen befürchten einige Spieler, dass die ohnehin überschaubare RP-Community jetzt tatsächlich aufgeteilt wird. Andere hatten sich bereits damit abgefunden, auf einem normalen Rollenspielserver zu spielen, um dort eine möglichst große und lebendige Community aufzubauen.
Auch die Sorge, dass RP-PvP am Ende nur zu einem zweiten gewöhnlichen PvP-Regelsatz wird, ist nicht unbegründet. Schließlich hat Blizzard mit Crusader Strike bereits erlebt, wie schnell der eigentliche Rollenspielgedanke untergehen kann, wenn zu viele Spieler ohne Interesse an RP auf einen solchen Server wechseln.
Genau darin liegt jetzt die Herausforderung. Blizzard hat auf seine Community gehört und eine Entscheidung getroffen, die von Tausenden Forenbeiträgen begleitet wurde. Ob sich der zusätzliche Regelsatz langfristig trägt, hängt aber nicht davon ab, wie laut die Forderungen vor dem Release waren, sondern davon, wie viele Spieler tatsächlich dort unterwegs sind und sich an die Rollenspielregeln halten. Denn eines der wichtigsten Argumente der Befürworter war immer, dass RP-PvP eine ganz eigene, lebendige Community habe. Ab dem 5. November bekommen sie die Gelegenheit, genau das zu beweisen.
Quelle: Buffed
