WoW Forever: KI-Müll überschwemmt das Spiel – jetzt ziehen Entwickler Konsequenzen

WoW Forever: KI-Müll überschwemmt das Spiel – jetzt ziehen Entwickler Konsequenzen

WoW Forever bekommt ein KI-Problem: Immer mehr kopierte Addons, überlastete Schnittstellen und frustrierte Entwickler zwingen zum Umdenken.

World of Warcraft: Forever soll eigentlich das gute alte WoW-Gefühl zurückbringen. Wieder durch eine riesige Welt streifen, neue Dinge entdecken und nicht schon vor dem ersten Login wissen, wie man am schnellsten auf die Maximalstufe kommt. Doch ausgerechnet eine ziemlich moderne Entwicklung macht der Community schon jetzt zu schaffen: Künstliche Intelligenz.

Denn rund um WoW Forever schießen derzeit KI-generierte Addons und Webseiten wie Pilze aus dem Boden. Und längst nicht alle Entwickler sind darüber glücklich. Einige beklagen, dass ihre jahrelange Arbeit einfach kopiert wird. Andere müssen sich mit einer Flut neuer Projekte herumschlagen, die ihre Angebote und Schnittstellen belasten. Bei Warcraft Logs ist das Problem mittlerweile so groß geworden, dass man sogar die eigenen Regeln anpassen muss.

10.000 Entwickler statt 200 – Warcraft Logs hat ein Problem

Wer schon länger WoW spielt, kennt Warcraft Logs vermutlich. Über die Plattform können Spieler ihre Kampfdaten hochladen, analysieren und herausfinden, warum der letzte Boss mal wieder nicht umfallen wollte. Die Daten stehen über eine Schnittstelle, die sogenannte API, auch anderen Entwicklern zur Verfügung.

Das hat lange ziemlich gut funktioniert. Doch mittlerweile hat sich die Situation durch den KI-Boom massiv verändert. Der Betreiber von Warcraft Logs, der unter dem Namen Sildri Silentcrest bekannt ist, nennt dazu einige ziemlich beeindruckende Zahlen:

  • Vor rund zwei Jahren nutzten etwa 200 Entwickler die API von Warcraft Logs.
  • Heute sind es ungefähr 10.000 Entwickler.
  • Früher gab es gerade einmal zwei bis vier Entwickler, die die Schnittstelle missbräuchlich verwendeten.
  • Mittlerweile sind es laut Silentcrest rund 1.000.

Das bedeutet natürlich nicht, dass alle diese Entwickler mit KI arbeiten. Allerdings hat die neue Technik dafür gesorgt, dass praktisch jeder eigene Tools und Webseiten entwickeln kann, ohne dafür jahrelang programmieren gelernt zu haben. Das sogenannte Vibe Coding macht es möglich.

Und genau das wird für Warcraft Logs zunehmend zum Problem. Immer mehr Angebote greifen große Datenmengen ab, um sie anschließend auf eigenen Webseiten wiederzugeben. Statt tatsächlich neue Funktionen zu entwickeln, werden teilweise einfach vorhandene Informationen neu verpackt. Warcraft Logs will deshalb seine API-Regeln anpassen und für kommerzielle Projekte künftig auch kostenpflichtige Zugangsschlüssel anbieten.

Addon-Entwickler beklagen geklaute Arbeit

Doch die Probleme beschränken sich nicht auf Warcraft Logs. Auch etablierte Addon-Entwickler bekommen die Auswirkungen der KI-Flut zu spüren. Der bekannte Entwickler Plusmouse berichtet beispielsweise, dass immer häufiger seine Ideen und Designs übernommen werden. Als Beispiel nennt er eine bestimmte Gestaltung von Namensplaketten, die mittlerweile in zahlreichen KI-generierten Addons auftauche.

Dabei geht es offenbar nicht immer nur um ähnliche Ideen. In manchen Fällen soll sogar der eigentliche Programmcode so stark übereinstimmen, dass Plusmouse bereits Urheberrechtsbeschwerden bei CurseForge eingereicht hat. Einige der betroffenen Addons wurden daraufhin entfernt.

Natürlich haben sich Addon-Entwickler schon immer gegenseitig inspirieren lassen. Wer eine gute Idee hat, muss damit rechnen, dass andere etwas Ähnliches umsetzen. Doch mit KI lassen sich solche Nachahmungen inzwischen in einem Tempo produzieren, mit dem klassische Entwickler kaum mithalten können. Plusmouse hat deshalb sogar einige seiner GitHub-Repositories auf privat gestellt, um seine Arbeit besser vor der Übernahme durch KI-Werkzeuge zu schützen.

Am Ende könnten vor allem die Spieler darunter leiden

Dabei ist KI bei der Entwicklung von Addons nicht grundsätzlich schlecht. Ganz im Gegenteil. Wer eine gute Idee hat, kann sie inzwischen möglicherweise selbst umsetzen, ohne vorher eine halbe Informatikausbildung absolvieren zu müssen. Und davon können natürlich auch wir Spieler profitieren. Je mehr Leute eigene Ideen verwirklichen, desto größer wird schließlich die Auswahl an hilfreichen Werkzeugen.

Allerdings gibt es auch eine Kehrseite. Silentcrest befürchtet, dass viele dieser schnell zusammengeschusterten Projekte irgendwann einfach nicht mehr gepflegt werden. Zurück bleiben dann Addons mit veralteten Informationen, fehlerhafte Software und möglicherweise sogar Sicherheitslücken. Dazu kommt der Druck auf die etablierten Entwickler. Das Team hinter Warcraft Logs ist vergleichsweise klein und muss nun mit KI-Projekten konkurrieren, die teilweise Funktionen anbieten, an denen man selbst noch arbeitet. Ob man diese Funktionen weiterhin selbst entwickelt oder verstärkt auf KI setzt, ist deshalb auch intern ein Thema.

Für WoW Forever ist das eine durchaus interessante Entwicklung. Schließlich soll das Spiel unter anderem davon leben, dass die Spieler Azeroth wieder auf ihre ganz eigene Art entdecken. Die enorme Vielfalt an Addons könnte dabei helfen. Wenn allerdings jeder innerhalb weniger Stunden irgendein Tool zusammenbasteln und veröffentlichen kann, wird es für die Spieler immer schwieriger, die wirklich guten Angebote herauszufiltern. Und für diejenigen, die seit Jahren hochwertige Addons entwickeln, dürfte die Motivation kaum steigen, wenn ihre Arbeit anschließend massenhaft kopiert wird.

Quelle: Buffed

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